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Straußenhaltung

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straussEin leidiges und oft diskutiertes Thema ist die Straußenhaltung im Ries. Wir haben hier in Hohenaltheim ja eine entsprechende Straußenzucht und in der Presse sieht man immer wieder Bilder, die eine zooartige Haltung suggerieren.

 

 

Seit 1995 wendet sich die Bundestierärztekammer massiv gegen Aufzucht und landwirtscaftliche Haltung von Straußen in Deutschland. „Es ist leichter, Ananas in Alaska anzubauen, als Strauße in Deutschland zu züchten", sagte Prof. Dr. Pschorn, der Präsident der Bundestierärztekammer.

Die Mehrheit der in deutschen Gehegen gehaltenen Straußenvöglel ist klima- und haltungsbedingt krank. Eine tiergerechte Haltung der afrikanischen Laufvögel ist in Deutschland auf Grund der klimatischen Bedingungen langfristig nicht möglich. Außerdem ist der Strauß nicht domestiziert. Da die Strauße keine Bürzeldrüsen zumBefetten des Gefieders haben, sind sie dem Regen schutzlos ausgeliefert. Eines der größten Probleme stellt der Kannibalismus dar, von dem der größte Teil der Farmstrauße betroffen ist.

Prof Dr. Kösters, Leiter des Institut für Geflügelkrankheiten hat die häufigsten Krankheiten bei Straußen aufgelistet:

1. Fehler in der Haltung

2. 40% Verletzungen aller Art (Genickbrüche usw.)

3. Beengte Haltung

4. Falsche Fütterung und dadurch bedingt Beinschäden

5. klimabedingte Unterkühlungen, Erfrierungen, Nierenschäden, Gicht

6. Aufnahme von Fremdkörpern

7. Infektionen

8. Kannibalismus, Federpicken

Kösters sagt, „Die Straußenhaltung läuft zur Zeit noch ab, wie ein großer, nicht genehmigter Tierversuch". Für ein wirtschaftliches Farming müßten Zuchtpaare 20-25 Jahre alt werden. Tatsächlich erreichen die Tiere bei uns nur ein Alter von 8-10 Jahren.

Was die Straußenhaltung in Deutschland zusätzlich in Frage stellt ist die Tatsache, dass eigentlich genug Straußenfleisch aus Südafrika importiert werden kann. Es gibt also gar keinen vernünftigen Grund dafür, bei uns Strauße zu halten.

Natürlich haben wir Verständnis für Landwirte, die heute gezwungen sind, nach neuen Erwerbsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Schuld ist eine fehlerhafte Beratung, die die Straußenhaltung als weiteres wirtschaftliches Standbein empfohlen hat. Aber hier wird es so sein wie bei den Chinchillas und beim Damwild: Nur die ersten Züchter machen das große Geld und bald wird es zu einer Übersättigung des Marktes kommen.

1999 erhielt der Tierschutzverein Nördlingen ein Schreiben der Interessengemeinschaft der Anwohner am Straußengehege Hohenaltheim. In diesem Schreiben, das immerhin von 24 Anwohnern unterschrieben ist, werden zahlreiche Gründe gegen diese Straußenhaltung angeführt, die z.T. durchaus schwerwiegend sind.

1. Lärm- und Geruchsbelästigung

2. Verunreinigung des Vorfluters

3. Ratten, Mäuse und Fliegen werden angelockt,

4. Erkrankungen der Atemwege bei Anwohnern (Vogelmilben)

5. haltende Autos und Schaulustige

6. Angriffe der Hähne am Zaun

7. illegal errichtete Hütten

Fraglich ist natürlich die Art der Tötung dieser Riesenvögel. Hierüber gelangt nie etwas an die Öffentlichkeit. Straußenfleisch gilt zwar als cholesterinfrei, aber ist es deshalb auch gesund?

Fleischbeschau beim afrikanischen Strauß findet derzeit nicht statt. Wie die Tötung der Tiere erfolgt, weiß kaum jemand. Vielleicht würde vielen dann der Appetit auf Straußenfleisch vergehen.

Jüngst wird sogar diskutiert, ob Straußenvögel nicht auch an BSE erkranken können!

(W.-D. Kavasch, 2001)