Gretchen

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susi und gretchen 1Liebe Tierheim-Menschen,

erinnert Ihr euch überhaupt an mich, die unscheinbare Gloria (inzwischen Gretchen), die im “Kinderzimmer” auf ihre neuen Menschen wartete, bis ich mich an eine Besucherin ranschmiss – jetzt oder nie! – und es hat geklappt.

 

Sie haben gleich bemerkt, dass ich Schwierigkeiten mit dem Hüpfen habe,
aber ich habe sie genarrt, bin heimlich über den Stuhl auf den Esstisch
gegangen und hab so getan als sei ich raufgesprungen. Schließlich haben
sie mich doch röntgen lassen und sogar in die Röhre geschoben und dann
lange Gesichter gemacht und getuschelt: ich hätte eine inoparable
Verwachsung des Beckens ab Geburt und werde nie im Leben richtig
springen können.
Mir war das eigentlich egal, ich lebte hier als Prinzessin. Allerdings
war mein Leben als Prinzessin ein bißchen langweilig mit den beiden
Rentnern, die haben meine Aufforderung zum Versteck-Fang-Prügel-Spiel
einfach nicht verstanden. und bis sie mir meinen Ball unterm Schrank
vorgeholt haben!

Nachdem ich mich ans neue Heim (Schloß!) gewöhnt hatte, haben sie
einfach die Terrassentür aufgemacht und mich rausgelassen. natürlich
tuschelnd: “das Gretchen ist so ruhig im Wesen, die wird nicht weit
gehen.” Ich hab Gras gefressen und mich in den Blumen gewälzt, ganz
toll. am nächsten Tag das gleiche Spiel, aber dann bin ich neugierig
geworden und irgendwie in Nachbars Garten gelandet. ich hab aber den
Rückweg nicht mehr gefunden und wollte über den Zaun springen und konnte
nicht. Ach war das schlimm. Bin untern Busch gekrochen, wo keiner
hinkommt und hatte sogar vor meiner Menschin Angst. So eine Angst
wünsche ich keiner Katze im Leben! Schließlich stand eine Trittleiter am
Zaun mit einer Schüssel Futter oben… Die Menschen haben besprochen, um
wieviel noch schlimmer es gewesen wäre, wenn ich in die andere Richtung
rausgegangen wäre.

Dann tuschelten die Menschen wieder mit der Ärztin , die sagte, das
Leben außen sei zu gefährlich fürs Gretchen, sie braucht Unterhaltung im
Haus und eine Spielgefährtin. Ich dachte an meine Kumpels in Nördlingen,
und habe, weil ich sie mag, meinen Menschen empfohlen, nicht nochmal
einer Katze 2 Stunden Fahrt zuzumuten. Schließlich hat die Menschin nach
langer Beratung mit Katzen-Pflegefamilien handverlesen die Susi aus der
Gegend hier für mich rausgesucht. (eigentlich kommt die aus Ungarn, ganz
weit weg.)

Ach war das schlimm. die Susi wollte auch auf den Schoß meiner Menschin.
Mein Leben als Prinzessin gab ich nicht einfach wieder auf und knurrte,
was das Zeug hielt und fauchte wenn sie nur auf 3 Meter in die Nähe kam.
Mit der Susi kam auch ganz viel neues Spielzeug ins Haus. ich hielt
mich raus und guckte zu. Langsam begriff ich dass die Susi genauso
schrecklich viel Angst vor allem hatte wie ich und ich nichts von ihr zu
befürchten hatte. und sie hatte so tolle Ideen für lustige Spiele! sie
trägt Spielsachen in den 1.Stock rauf und lässt die die Treppe
runterplumpsen. besonders der laute Ball nachts um 4 macht richtig
Eindruck. und Ballspielen zu zweit ist viel spannender als allein. und
sie spricht die Katzensprache!!! oft sitzen wir zusammen in der ersten
Reihe beim Spatzen-Fernsehen, wo auch ohne Umschalten die Meisen
dazukommen. richtig Klasse!
die Menschin haben wir uns inzwischen unter uns aufgeteilt: wenn sie
sich mittags hinlegt, darf ich auf ihr schlafen, nachts darf die Susi
auf ihre Füße. nur mit dem Futter haben wir noch ein Problem: die Susi
frisst so langsam, obwohl sie so dürr ist. in der gleichen Zeit fresse
ich glatt das Doppelte. Die Menschen meinen, ich würde bald platzen und
stellen der Susi auf einem Tisch immer Brekkies bereit – ohne Stuhl
daneben. Da kommt nur Susi hoch, ich nicht. So gemein können nur
Menschen sein! Aber sie haben mein sportliches Training durch das
Spielen mit Susi unterschätzt: ich kann inzwischen raufspringen!!!!!
Nun bin ich gespannt was sie sich noch ausdenken, damit ich nicht platze.

Tja, so kann man das Leben aushalten. wir beide denken oft an das Leben
früher und was wir wohl versäumen, weil wir nicht rausdürfen. die Mäuse
natürlich, und die Schmetterlinge. aber wir haben das ganze Haus
inzwischen für uns, Keller und Dachboden mit dabei und das Büro des
Menschen, ohne Gefahren von Autos, Eisenbahn und mächtigen
Nachbarskatern, Mardern und Hunden. Ihr im Tierheim wart wirklich lieb
zu mir, aber jetzt hab ich einfach mehr Platz und werde IMMER beschmust
wenn ich das will. Die Menschen reden auch davon , dass sie uns einen
“Laufstall” im Garten bauen wollen, so dass wir gar nichts mehr
entbehren müssen außer der grenzenlosen Freiheit. Ehrlich gesagt, die
brauch ich gar nicht.

viele liebe Miaus an alle meine netten Betreuer von früher
Euer Gretchen
PS. viele Miaus auch von Susi.

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